Luftaufnahme Ort Kaltenborn mit Häusern und Straßen, umgeben von grünen Feldern und bewaldeten Hügeln. Der blaue Himmel ist teils bewölkt.

Kaltenborn

– Geschichte, die lebt

Kaltenborn 

– Geschichte, die lebt

2018 feierte Kaltenborn ein ganz besonderes Doppeljubiläum: 1250 Jahre Ortsgeschichte und 850 Jahre Kirche. Ein stolzes Erbe, das bis heute spürbar ist.

Einst soll hier eine Burg gestanden haben, in der ein Adelsgeschlecht lebte. Bereits 1190 taucht Kaltenborn urkundlich in einem Lehnsverzeichnis auf – ein gewisser „Werner von Bolanden“ nennt es sein Reichslehen. Später gehörte die Burg dem Erzbistum Köln, dann den Herren von Burgbrohl und schließlich den Hillesheimern. Im 19. Jahrhundert wurde sie abgerissen – ihre Steine fanden ein neues Zuhause im Bau der heutigen Kirche.

Schon 1310 war Kaltenborn eine eigenständige Pfarrei. Die dem heiligen Servatius geweihte Kirche wurde 1834 neu errichtet – der alte Turm blieb dabei erhalten und erinnert bis heute an die lange Geschichte unseres Dorfes.

Doch Kaltenborn hat weitaus mehr zu bieten. Das gemeinsame Dorfleben von Jung & Alt prägen das harmonische Miteinander. Insbesondere engagieren sich die Dorfgemeinschaft und der Junggesellenverein liebevoll darum, dass das gemeinsame Zusammenleben und die Aufrechterhaltung der Traditionen bestehen bleiben. 

Das Herzstück des Dorfes ist das Dorfgemeinschaftshaus mit dem angrenzenden Spielplatz. Ein Ort der verbindet und der zum Verweilen einlädt. Hier wird gefeiert, gelacht und zusammengekommen – ob bei der Kirmes, dem Maibaumstellen, dem Familientag oder beim gemütlichen Umtrunk nach dem St.-Martins-Fackelzug.

  • Geschichte von Kaltenborn 

    Kaltenborn findet Erwähnung im Jahre 992 als ein Nebenhof von Sinzig. Den Grafen von Are standen in Kaltenborn das Wildbannrecht der Jagd des Hochwildes seit 992 n.Ch. zu. „Die Entstehung eines eigenen Gerichtsbezirks Kaltenborn und die Tatsache, dass offenbar kein Zusammenhang mit dem von Sinzig aus genutzten Wald Langenhardt bestand, deuten auf die Existenz dieser Villa vor der Besiedlung des Gebietes um Heckenbach. Es ist wahrscheinlich, dass sie im 11. Jahrhundert bestand. Unsicher ist, ob sie karolingischen Ursprungs ist. Die Tatsache, dass die Inhaber des Wildbannes das Recht der Jagd des Hochwildes in Kaltenborn durchzusetzen vermochten, nicht aber im Wald Langenhardt, könnte den Verdacht nahelegen, dass die Siedlung 992 n.Ch. noch nicht bestand und das dortige Waldgebiet im Gegensatz zu Langenhardt vom Sinziger Königshof nicht genutzt wurde. Dagegen sprechen aber ältere forstrechtliche Organisationszusammenhänge, die für die karolingische Zeit eine wenigstens teilweise Nutzung im Bereich der Kohlstraße vermuten lassen, vor allem aber die Möglichkeit, dass Kaltenborn ursprünglich die Fortsaufsicht über das entfernt von Sinzig liegende Waldgebiet an der Hohen Acht hatte. (…) Der Unterschied in der Durchsetzung der Wildbannrechte könnte auch darauf zurückgehen, dass Kaltenborn bereits 992 ein Nebenhof von Sinzig war, während die noch unbesiedelte Langenhardt direkt vom Königshof Sinzig genutzt wurde. Die Vorfahren der Grafen von Are dürften ihre Rechte in Kaltenborn verwirklicht haben, da sie im angrenzenden Gebiet von Adenau wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert über beträchtliche Allodialbesitz verfügen. Auch im benachbarten Jammelshofen waren sie später begütert. Obwohl Kaltenborn zum fiscus gehörte, könnte ein Indiz für den Bestand der" Villa" (Bezeichnung für einen Königshof als zentrale Bewirtschafts- und Verwaltungsstelle des zugehörigen Königshofes) schon 992 n.Ch. sein, dass die von Are dort nur ihre Wildbannreche verwirklichen konnten und nicht, wie im Fall von Jammelshofen, grundherrliche Rechte erlangten.“

    Es ist aber auch durchaus möglich Kaltenborn auf das Jahr 762 n.Ch. zu datieren, da es mit dem Halbacher Hof in Zusammenhang gebracht wird, welcher urkundlich als das am "rivules hallebachus" gelegene Haus 762 n.Ch. urkundlich genannt wird. Ab 1730 findet sich Kaltenborn und der Hof Halbach im Zinsregister der Burggrafen von Hammerstein. Diese sind ab diesem Zeitpunkt zu einem Drittel an der Herrschaft beteiligt. Wie der Burggraf an diese Anteile gelangte, ist nicht bekannt. Man vermutet, dass es über die verwandtschaftliche Beziehung mit dem Geschlecht von Bolanden zustande kam. Das Haus "Halbe", wie es in einer Flurbezeichnung genannt wurde, ist durch Umwälzungen des Entsiedlungsverfahrens 1938 beseitigt worden.

    Kaltenborn wird um 1190 urkundlich zum ersten Mal erwähnt, als Werner von Bolanden in einem um diese Zeit aufgestellten Lehnsverzeichnis den Ort mit Zubehör als sein vom Reich herrührendes Lehen bezeichnet. Von 1100 bis 1200 war es ein Dorf der Grafschaft von Are, von 1200 bis 1276 gehörte es den Grafe von Are-Nürburg und als dieses Grafengeschlecht 1276 ausstarb, kam Kaltenborn zum Erztstift Köln, das 1356 Kurfürstentum wurde. Als kurkölnisches Dorf blieb es bis 1794 stets beim Amt Nürburg.

    Die von Bolanden waren eines der mächtigsten Ministerialgeschlechter des Hochmittelalters und vor allem im rheinisch-pfälzischen Raum begütert. Mit Peter von Kaltenborn starb der bolandische Stamm 1561 aus, ab dann ging die Unterherrschaft Kaltenborn -Hochacht in den Besitz der Herren von Hillesheim über. Wie ein Dingtag (Gerichtstag) vom 11.12.1564 bestätigte, stand damals diese Unterherrschaft unter kurkölnischer Oberhoheit. Seit 1568 versuchten Dietrich und sein Sohn Konrad Kaltenborn-Hochacht von der Oberhoheit des Kurfürsten zu lösen und die Reformation einzuführen. Für ihr Wohlverhalten versprachen sie den Kaltenbornern eine neue Kirche. Diese ließen sich jedoch nicht darauf ein. Ein anderes Mal beklagten sich am 10.12.1578 die Einwohner anlässlich eines kurkölnischen Dingtages in Kaltenborn über die Willkür ihres Junkers Konrad von Hillesheim, der den „Schirmhut“ von Jülich an der Dorflinde aufgerichtet und geboten hatte, acht Malter Schirmhafter an die Jülichsche Kanzlei zu Sinzig abzuliefern. Hans Daniel von Hillesheim erkannte 1603 die Oberhoheit Kurkölns an, als er sich später aber von Köln lösen wollte, wurde er gefangen genommen und verbrachte sein Leben bis zu seinem Tod 1646 auf der Feste Kaiserwerth bei Düsseldorf. Die Herrschaft gelangte dann in die Hände seiner beiden Töchter Gertrud und Katharina. Letztere war mit Philipp d‘Artell du Planty, Gertrud mit Johannes Mariani verheiratet. Dieser ließ bereits 1632 einige ‚zauberischen‘ Personen ohne Wissen des Kölner Kurfürsten hinrichten. Als er 1634 wiederum einige Personen zum Tode verurteilte, appellierte das Dorfgericht an den Kurfürsten, der sie freisprach. 1678 waren wiederum lothringische Soldaten in Kaltenborn einquartiert, ein Jahr später suchten holsteinische Reiter den Ort heim, 1678 erpresste ein Regiment Fußtruppen von der Unterherrschaft 1291. Philipp von Planty hatte bereits 1655 seinen Herrschaftsanteil an Kaspar von Bourscheid verkauft, den Anteil von Johannes Marianier erbte die Familie Pürling. Aus Geldnot verkaufte Christian Pürling bereits 1661 seinen Teil an Kaspar von Bourscheid, behauptete sich aber weiterhin in der Burg, die Klagen des neuen Herrn und die von ihm erwirkten Gerichtsurteile missachtend. 1696 wurde Christian aus der Burg vertrieben, nach seinem Tod behauptete sich seine streitbare Witwe aber noch bis 1708. Ab dann gehörte die Unterherrschaft endgültig den Herren von Bourscheid. 1768 beschwerte sich von Bourscheid beim Kölner Kurfürsten über Eingriffe des Nürburger Amtsverwalters Köller in seine Gerechtsame. Ab 1815 war es eine Gemeinde der Bürgermeisterei Adenau und des Kreises Adenau. Im Jahre 1931 brachte es die Kreisaufteilung nach Ahrweiler.

    Aufgrund der Anlage eines Truppenübungsplatzes wurde der Ort Kaltenborn von 1937 bis 1939 umgesiedelt.

    Im Jahre 1948 nach dem Krieg wurde der Ort neu besiedelt, indem neue, moderne Hofanlagen entstanden. Die Einsiedlung wurde von der Landsiedlung Rheinland-Pfalz unterstützt. Bei der Aussiedlung wurde das Dorf vollständig geräumt und sämtliche Häuser in der Folgezeit zerstört, bis auf das Gotteshaus und das Kriegerdenkmal.

    Im Rahmen des Wiederaufbaus war die Nachbarschaftshilfe selbstverständlich. Auch das kulturelle und gesellige Leben in Kaltenborn kam nie zu kurz. So gab es einen Kriegerverein, eine Blaskapelle, einen Kirchenchor, einen Junggesellenverein und eine Feuerwehr. All diese Vereine besorgten Feste und Feiern innerhalb des Jahres. Die Kaltenborner galten daher als lustiges Volk. Besonders die Kirmestage feierte die Bevölkerung ausgiebig. Die überlieferten Episoden besagen, dass die Kaltenborner die Feste zu feiern verstanden, wie sie fielen.